Görlitz: Wegen Donald Trump - Sysmex Partec GmbH entlässt zehn Prozent der 200 Mitarbeiter
Die „America first“-Politik von US-Präsident Donald Trump hat nun auch in Görlitz konkrete Folgen: Die Sysmex Partec GmbH muss zehn Prozent ihrer 200…
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Fakten
- Die Sysmex Partec GmbH muss zehn Prozent ihrer 200 Mitarbeiter entlassen.
- Das Unternehmen in der Arndtstraße in der Görlitzer Südstadt hat mehrere Geschäftsfelder.
- Eines davon ist von Trumps Politik betroffen: "Essential Health Care".
- Übersetzt bedeutet das ",Grundlegende Gesundheitsversorgung".
- In Görlitz werden Geräte für die HIV-Diagnostik für Afrika und Indien produziert.
- Indien kann diese aus eigenen Mitteln bezahlen, doch viele Länder in Afrika sind auf Entwicklungshilfe angewiesen.
- Die aber wurde von Trump gestrichen.
- Somit können sich viele Staaten in Afrika die Geräte schlichtweg nicht mehr leisten.
- HIV-Diagnostik findet einfach nicht mehr statt.
- "Das merken wir zeitversetzt", sagt Esther.
- Zunächst sei noch Geld da gewesen, das vor Trumps Amtszeit bereits vergeben war.
- Aber ich habe schon Anfang 2025 befürchtet, dass es so kommen wird – und Einsparungen bei uns prognostiziert", sagt Esther.
- Im Dezember mussten wir die ersten Mitarbeiter abbauen.
- Allerdings werden nicht alle gleichzeitig entlassen, sondern es gelten die jeweiligen Kündigungsfristen.
- "Erst im März 2027 werden wir nur noch 180 Mitarbeiter sein, davon 140 in Görlitz", sagt Esther.
- Insgesamt müsse er zwei Millionen Euro im Jahr einsparen, darunter gut eine Million Personalkosten.
- Da Indien derzeit auch keine Geräte zur HIV-Diagnostik bestellt hat, rechne er damit, ",dass wir im Finanzjahr 2026 sehr wenige bis keine dieser Geräte bauen werden".
- Das sei aber noch nicht 100-prozentig klar: ",Wir haben etwas in Aussicht, aber darauf vertraue ich nicht."
- Doch für Esther gibt es trotzdem keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.
- Und das gleich aus zwei Gründen.
- Erstens: Sysmex Partec hat auch andere Standbeine – und die laufen alle gut, sind von Trumps Politik nicht betroffen.
- Ein sehr starker Wachstumsmotor ist die mikrobiologische Qualitätskontrolle in der Lebensmittel-, Kosmetik-, Futtermittel- und Getränkeindustrie.
- Hier produzieren wir für Deutschland, aber auch Asien und Amerika.
- Es geht um das Testen von Produkten auf Verunreinigungen.
- Getreide etwa könne schimmeln und werde dann giftig für die Futtermittelindustrie.
- Andere Wachstumsbereiche sind die klinische Durchflusszytometrie sowie Geräte, die in Görlitz für Sysmex Europe gebaut werden – für den europäischen Bedarf.
- Der zweite Grund, nicht den Kopf in den Sand zu stecken: ",Im Bereich Essential Health Care entwickeln wir gerade das Nachfolgegerät für die HIV-Diagnostik."
- Das sei laut Esther besser als das bisherige, habe noch eine Funktion mehr.
- Dadurch ist es nicht nur für Indien, sondern auch für viele Länder in Südosteuropa und Südamerika interessant.
- Das Gerät gebe einen besseren Überblick über den allgemeinen Immunstatus des Patienten.
- ",Das wird von den Ländern gefordert."
- Ab 2027 soll es gebaut werden.
- Das Nachfolgegerät zu entwickeln, sei aber keineswegs die Konsequenz von Trumps Politik: ",Die Entwicklung eines solchen Geräts dauert vier Jahre, das ist also eine schon lange getätigte strategische Entscheidung."
- Mit all diesen Punkten möchte Esther den Grundstein legen für ein erneutes Wachstum ab 2027.
- "Dieses Jahr wird es einen Einbruch geben, aber ein neues Wachstum ab 2027 ist sehr reell", sagt er.
- Görlitz werde auf jeden Fall langfristig der Hauptsitz von Sysmex Partec bleiben.
- Der Nebenstandort Münster stehe auch nicht zur Disposition.
- Lediglich Leipzig – wo aber ohnehin nur sehr wenige Menschen für die Firma arbeiten – könnte irgendwann geschlossen werden.
- Aber auch nicht sofort: ",Eventuell müssen wir dann auch noch jemanden in Görlitz einstellen."
- In Görlitz hatte die Firma im Jahr 2023 zwei neue Gebäude eingeweiht.
- Jetzt ist kein weiterer Neubau geplant.
- Stattdessen laufen immer mal wieder Umbauten innerhalb der bestehenden Gebäude, in denen es auch noch ungenutzte sowie nicht effizient genutzte Flächen gibt.
- "Wir bauen Freiraum zu Laboren um", erklärt Esther.
- Die Firma gehe Schwierigkeiten gemeinsam mit den Kollegen an.
- "Wir haben von den Mitarbeitern viele Vorschläge bekommen auf die Frage, was wir tun können, um effizienter zu werden", sagt Esther.
- Das, was geht, setzen wir um.
- Seit 2023 ist Esther Alleingeschäftsführer.
- Vorher kümmerte er sich vor allem um das Tagesgeschäft, hatte aber immer noch einen zweiten Geschäftsführer an seiner Seite – einen Japaner, der für die strategische Ausrichtung verantwortlich war.
- Seit 2023 vereint Esther quasi beide Posten in einer Person.
- Daran soll sich – trotz der aktuellen Probleme wegen Trump – auch nichts ändern.
- Die japanische Sysmex-Konzernspitze vertraut ihm voll und ganz, erklärt Esther.
- Görlitz
- Die Sysmex Partec GmbH hat ihren Hauptsitz in Görlitz.